Nietzsche - Also Sprach Zarathustra

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Es ist an der Zeit, dass der Mensch sich sein Ziel stecke. Es ist an der Zeit, dass der Mensch den Keim seiner hoechsten Hoffnung pflanze.
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Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch nicht mehr den Pfeil seiner Sehnsucht ueber den Menschen hinaus wirft, und die Sehne seines Bogens verlernt hat, zu schwirren!
1:98
Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch keinen Stern mehr gebaeren wird. Wehe! Es kommt die Weit des veraechtlichsten Menschen, der sich selber nicht mehr verachten kann.
1:126
Inzwischen kam der Abend, und der Markt barg sich in Dunkelheit: da verlief sich das Volk, denn selbst Neugierde und Schrekken werde muede. Zarathustra aber sass neben dem Todten auf der Erde und war in Gedanken versunken: so vergass er die Zeit. Endlich aber wurde es Nacht, und ein kalter Wind blies ueber den Einsamen. Da erhob sich Zarathustra und sagte zu seinem Herzen:
1:156
Aber ich scheide von dir, die Zeit ist um. Zwischen Morgenroethe und Morgenroethe kam mir eine neue Wahrheit.
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Und selbst wenn man alle Tugenden hat, muss man sich noch auf Eins verstehn: selber die Tugenden zur rechten Zeit schlafen schicken.
1:218
Eine kleine Gesellschaft ist mir willkommener als eine boese: doch muss sie gehn und kommen zur rechten Zeit. So vertraegt es sich mit gutem Schlafe.
1:234
Auch noch heute wohl giebt es Einige, wie diesen Prediger der Tugend, und nicht immer so Ehrliche: aber ihre Zeit ist um. Und nicht mehr lange stehen sie noch: da liegen sie schon.
1:266
Rueckwaerts blicken sie immer nach dunklen Zeiten: da freilich war Wahn und Glaube ein ander Ding; Raserei der Vernunft war Gottaehnlichkeit, und Zweifel Suende.
1:346
Wer jetzt krank wird, den ueberfaellt das Boese, das jetzt boese ist: wehe will er thun, mit dem, was ihm wehe thut. Aber es gab andre Zeiten und ein andres Boeses und Gutes.
1:585
Ein Errathen sei dein Mitleiden: dass du erst wissest, ob dein Freund Mitleiden wolle. Vielleicht liebt er an dir das ungebrochne Auge und den Blick der Ewigkeit.
1:719
Eines Tages war Zarathustra unter einem Feigenbaume eingeschlafen, da es heiss war, und hatte seine Arme ueber das Gesicht gelegt. Da kam eine Natter und biss ihn in den Hals, so dass Zarathustra vor Schmerz aufschrie. Als er den Arm vom Gesicht genommen hatte, sah er die Schlange an: da erkannte sie die Augen Zarathustra's, wand sich ungeschickt und wollte davon. "Nicht doch, sprach Zarathustra; noch nahmst du meinen Dank nicht an! Du wecktest mich zur Zeit, mein Weg ist noch lang." "Dein Weg ist noch kurz, sagte die Natter traurig; mein Gift toedtet." Zarathustra laechelte. "Wann starb wohl je ein Drache am Gift einer Schlange? - sagte er. Aber nimm dein Gift zurueck! Du bist nicht reich genug, es mir zu schenken." Da fiel ihm die Natter von Neuem um den Hals und leckte ihm seine Wunde.
1:769
Viele sterben zu spaet, und Einige sterben zu frueh. Noch klingt fremd die Lehre: "stirb zur rechten Zeit!"
1:770
Stirb zur rechten Zeit: also lehrt es Zarathustra.
1:771
Freilich, wer nie zur rechten Zeit lebt, wie sollte der je zur rechten Zeit sterben? Moechte er doch nie geboren sein! - Also rathe ich den Ueberfluessigen.
1:780
Und wann werde ich wollen? - Wer ein Ziel hat und einen Erben, der will den Tod zur rechten Zeit fuer Ziel und Erben.
1:784
Und Jeder, der Ruhm haben will, muss sich bei Zeiten von der Ehre verabschieden und die schwere Kunst ueben, zur rechten Zeit zu - gehn.
1:799
Frei zum Tode und frei im Tode, ein heiliger Nein-sager, wenn es nicht Zeit mehr ist zum Ja: also versteht er sich auf Tod und Leben.
2:28
Und wenn ich auf mein wildestes Pferd steigen will, so hilft mir mein Speer immer am besten hinauf: der ist meines Fusses allzeit bereiter Diener: -
2:54
Gott ist ein Gedanke, der macht alles Gerade krumm und Alles, was steht, drehend. Wie? Die Zeit waere hinweg, und alles Vergaengliche nur Luege?
2:58
Aber von Zeit und Werden sollen die besten Gleichnisse reden: ein Lob sollen sie sein und eine Rechtfertigung aller Vergaenglichkeit!
2:395
Ja, zur Treue gemacht, gleich mir, und zu zaertlichen Ewigkeiten: muss ich nun euch nach eurer Untreue heissen, ihr goettlichen Blicke und Augenblicke: keinen andern Namen lernte ich noch.
2:511
Und als ich um mich sah, siehe! da war die Zeit mein einziger Zeitgenosse.
2:521
Alle Zeiten und Voelker blicken bunt aus euren Schleiern; alle Sitten und Glauben reden bunt aus euren Gebaerden.
2:530
Alle Zeiten schwaetzen wider einander in euren Geistern; und aller Zeiten Traeume und Geschwaetz waren wirklicher noch als euer Wachsein ist!
2:565
Lieben und Untergehn: das reimt sich seit Ewigkeiten. Wille zur Liebe: das ist, willig auch sein zum Tode. Also rede ich zu euch Feiglingen!
2:663
Um jene Zeit nun, als Zarathustra auf den glueckseligen Inseln weilte, geschah es, dass ein Schiff an der Insel Anker warf, auf welcher der rauchende Berg steht; und seine Mannschaft gieng an's Land, um Kaninchen zu schiessen. Gegen die Stunde des Mittags aber, da der Capitaen und seine Leute wieder beisammen waren, sahen sie ploetzlich durch die Luft einen Mann auf sich zukommen, und eine Stimme sagte deutlich: "es ist Zeit! Es ist die hoechste Zeit!" Wie die Gestalt ihnen aber am naechsten war - sie flog aber schnell gleich einem Schatten vorbei, in der Richtung, wo der Feuerberg lag - da erkannten sie mit groesster Bestuerzung, dass es Zarathustra sei; denn sie hatten ihn Alle schon gesehn, ausgenommen der Capitaen selber, und sie liebten ihn, wie das Volk liebt: also dass zu gleichen Theilen Liebe und Scheu beisammen sind.
2:665
Um die gleiche Zeit, als diese Schiffer an der Feuerinsel landeten, lief das Geruecht umher, dass Zarathustra verschwunden sei; und als man seine Freunde fragte, erzaehlten sie, er sei bei Nacht zu Schiff gegangen, ohne zu sagen, wohin er reisen wolle.
2:702
"Warum schrie denn das Gespenst: es ist Zeit! Es ist die hoechste Zeit!
2:703
_Wozu_ ist es denn - hoechste Zeit?" -
2:724
Den Geruch verstaubter Ewigkeiten athmete ich: schwuel und verstaubt lag meine Seele. Und wer haette dort auch seine Seele lueften koennen!
2:729
So gieng mir und schlich die Zeit, wenn Zeit es noch gab: was weiss ich davon! Aber endlich geschah das, was mich weckte.
2:750
"Wohlan! Diess nun hat seine Zeit; sorgt mir aber dafuer, meine juenger, dass wir eine gute Mahlzeit machen, und in Kuerze! Also gedenke ich Busse zu thun fuer schlimme Traeume!
2:776
Nicht zurueck kann der Wille wollen; dass er die Zeit nicht brechen kann und der Zeit Begierde, - das ist des Willens einsamste Truebsal.
2:779
Dass die Zeit nicht zuruecklaeuft, das ist sein Ingrimm; `Das, was war` - so heisst der Stein, den er nicht waelzen kann.
2:782
Diess, ja diess allein ist _Rache_ selber: des Willens Widerwille gegen die Zeit und ihr `Es war.`
2:788
`Und diess ist selber Gerechtigkeit, jenes Gesetz der Zeit, dass sie ihre Kinder fressen muss`: also predigte der Wahnsinn.
2:798
Und wer lehrte ihn Versoehnung mit der Zeit, und Hoeheres als alle Versoehnung ist?
3:9
Die Zeit ist abgeflossen, wo mir noch Zufaelle begegnen durften; und was _koennte_ jetzt noch zu mir fallen, was nicht schon mein Eigen waere!
3:69
Diese lange Gasse zurueck: die waehrt eine Ewigkeit. Und jene lange Gasse hinaus - das ist eine andre Ewigkeit.
3:72
"Alles Gerade luegt, murmelte veraechtlich der Zwerg. Alle Wahrheit ist krumm, die Zeit selber ist ein Kreis."
3:74
Siehe, sprach ich weiter, diesen Augenblick! Von diesem Thorwege Augenblick laeuft eine lange ewige Gasse _rueckwaerts_ hinter uns liegt eine Ewigkeit.
3:101
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
3:119
Und wahrlich, Zeit war's, dass ich gierig; und des Wanderers Schatten und die laengste Weile und die stillste Stunde - alle redeten mir zu: `es ist hoechste Zeit!`
3:126
Also rief mir Alles in Zeichen zu: `es ist Zeit!` - Aber ich - hoerte nicht: bis endlich mein Abgrund sich ruehrte und mein Gedanke mich biss.
3:137
Hinweg mit dir, du selige Stunde! Mit dir kam mir eine Seligkeit wider Willen! Willig zu meinem tiefsten Schmerze stehe ich hier: - zur Unzeit kamst du!
3:166
Denn alle Dinge sind getauft am Borne der Ewigkeit und jenseits von Gut und Boese; Gut und Boese selber aber sind nur Zwischenschatten und feuchte Truebsale und Zieh-Wolken.
3:200
"Wir haben noch keine Zeit fuer Zarathustra" - so wenden sie ein; aber was liegt an einer Zeit, die fuer Zarathustra "keine Zeit hat"?
3:338
Denn solche Feuersaeulen muessen dem grossen Mittage vorangehn. Doch diess hat seine Zeit und sein eigenes Schicksal. -
3:409
Denn offen ist es bei dir und hell; und auch die Stunden laufen hier auf leichteren Fuessen. Im Dunklen naemlich traegt man schwerer an der Zeit, als im Lichte.
3:418
Alles bei ihnen redet, Alles wird zerredet. Und was gestern noch zu hart war fuer die Zeit selber und ihren Zahn: heute haengt es zerschabt und zernagt aus den Maeulern der Heutigen.
3:440
Messbar fuer Den, der Zeit hat, waegbar fuer einen guten Waeger, erfliegbar fuer starke Fittige, errathbar fuer goettliche Nuesseknacker: also fand mein Traum die Welt: -
3:510
Und dazu laesst man die Kindlein zu sich kommen, dass man ihnen bei Zeiten wehre, sich selber zu lieben: also schafft es der Geist der Schwere.
3:545
Inzwischen rede ich als Einer, der Zeit hat, zu mir selber. Niemand erzaehlt mir Neues: so erzaehle ich mir mich selber. -
3:561
Wo alle Zeit mich ein seliger Hohn auf Augenblicke duenkte, wo die Nothwendigkeit die Freiheit selber war, die selig mit dem Stachel der Freiheit spielte: -
3:609
"Im Grunde steht Alles stille" -, das ist eine rechte Winter-Lehre, ein gut Ding fuer unfruchtbare Zeit, ein guter Trost fuer Winterschlaefer und Ofenhocker.
3:628
Diess aber ist die andre Gefahr und mein andres Mitleiden: - wer vom Poebel ist, dessen Gedenken geht zurueck bis zum Grossvater, - mit dem Grossvater aber hoert die Zeit auf.
3:629
Also ist alles Vergangene preisgegeben: denn es koennte einmal kommen, dass der Poebel Herr wuerde und in seichten Gewaessern alle Zeit ertraenke.
3:728
Mag da der Kraemer herrschen, wo Alles, was noch glaenzt - Kraemer-Gold ist! Es ist die Zeit der Koenige nicht mehr: was sich heute Volk heisst, verdient keine Koenige.
3:730
Sie lauern einander auf, sie lauern einander Etwas ab, - das heissen sie "gute Nachbarschaft." Oh selige ferne Zeit, wo ein Volk sich sagte: "ich will ueber Voelker - _Herr_ sein!"
3:782
Aufrecht geht mir bei Zeiten, oh meine Brueder, lernt aufrecht gehn! Das Meer stuermt: Viele wollen an euch sich wieder aufrichten.
3:818
Endlich, nach sieben Tagen, richtete sich Zarathustra auf seinem Lager auf, nahm einen Rosenapfel in die Hand, roch daran und fand seinen Geruch lieblich. Da glaubten seine Thiere, die Zeit sei gekommen, mit ihm zu reden.
3:833
In jedem Nu beginnt das Sein; um jedes Hier rollt sich die Kugel Dort. Die Mitte ist ueberall. Krumm ist der Pfad der Ewigkeit." -
3:841
Solche Anklaeger des Lebens: die ueberwindet das Leben mit einem Augenblinzeln. "Du liebst mich? sagt die Freche; warte noch ein Wenig, noch habe ich fuer dich nicht Zeit."
3:889
Oh meine Seele, ich gab dir neue Namen und bunte Spielwerke, ich hiess dich "Schicksal" und "Umfang der Umfaenge" und "Nabelschnur der Zeit" und "azurne Glocke".
3:957
Eins! Oh Mensch! Gieb Acht! Zwei! Was spricht die tiefe Mitternacht? Drei! "Ich schlief, ich schlief -," Vier! "Auf tiefen Traum bin ich erwacht:-" Fuenf! "Die Welt ist tief," Sechs! "Und tiefer als der Tag gedacht." Sieben! "Tief ist ihr Weh -," Acht! "Lust - tiefer noch als Herzeleid:" Neun! "Weh spricht: Vergeh!" Zehn! "Doch alle Lust will Ewigkeit -," Elf! "- will tiefe, tiefe Ewigkeit!" Zwoelf!
3:965
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit bruenstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, - dem Ring de Wiederkunft!
3:966
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, sei denn dieses Weib, das ich lieb: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
3:967
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
3:973
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit bruenstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, - dem Ring de Wiederkunft!
3:974
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, sei denn dieses Weib, das ich lieb: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
3:975
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
3:981
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit bruenstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, - dem Ring de Wiederkunft!
3:982
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, sei denn dieses Weib, das ich lieb: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
3:983
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
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Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit bruenstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, - dem Ring de Wiederkunft!
3:990
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, sei denn dieses Weib, das ich lieb: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
3:991
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
3:996
- das Grenzenlose braust um mich, weit hinaus glaenzt mir Raum und Zeit, wohlan! wohlauf! altes Herz!" -
3:997
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit bruenstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, - dem Ring de Wiederkunft!
3:998
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, sei denn dieses Weib, das ich lieb: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
3:999
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
4:21
Also moegen nunmehr die Menschen zu mir _hinauf_ kommen: denn noch warte ich der Zeichen, dass es Zeit sei zu meinem Niedergange, noch gehe ich selber nicht unter, wie ich muss, unter Menschen.
4:23
Mein Schicksal naemlich laesst mir Zeit: es vergass mich wohl? Oder sitzt es hinter einem grossen Steine im Schatten und faengt Fliegen?
4:24
Und wahrlich, ich bin ihm gut darob, meinem ewigen Schicksale, dass es mich nicht hetzt und draengt und mir Zeit zu Possen laesst und Bosheiten: also dass ich heute zu einem Fischfange auf diesen hohen Berg stieg.
4:28
Ich aber und mein Schicksal - wir reden nicht zum Heute, wir reden auch nicht zum Niemals: wir haben zum Reden schon Geduld und Zeit und Ueberzeit. Denn einst muss er doch kommen und darf nicht voruebergehn.
4:42
Und kaum waren diese Worte gesprochen, da erscholl der Schrei abermals, und laenger und aengstlicher als vorher, auch schon viel naeher. "Hoerst du? Hoerst du, oh Zarathustra? rief der Wahrsager, dir gilt der Schrei, dich ruft er: komm, komm, komm, es ist Zeit, es ist hoechste Zeit!" -
4:46
Der Wahrsager aber antwortete nicht auf die Angst Zarathustra's, sondern horchte und horchte nach der Tiefe zu. Als es jedoch lange Zeit dort stille blieb, wandte er seinen Blick zurueck und sahe Zarathustra stehn und zittern.
4:194
Du suchst nach grossen Menschen, du wunderlicher Narr? Wer _lehrte's_ dich? Ist heute dazu die Zeit? Oh du schlimmer Sucher, was - versuchst du mich?" - -
4:239
Siehe, doch, was blieb dir aufgespart? Du hast Augen und Hand und Mund, die sind zum Segnen vorher bestimmt seit Ewigkeit. Man segnet nicht mit der Hand allein.
4:334
- auch was lange Zeit braucht, ein Tag- und Maul-Werk fuer sanfte Muessiggaenger und Tagediebe.
4:399
- Was geschah mir: Horch! Flog die Zeit wohl davon? Falle ich nicht? Fiel ich nicht - horch! in den Brunnen der Ewigkeit?
4:403
Auf! sprach er zu sich selber, du Schlaefer! Du Mittagsschlaefer! Wohlan, wohlauf, ihr alten Beine! Zeit ist's und Ueberzeit, manch gut Stueck Wegs blieb euch noch zurueck -
4:404
Nun schlieft ihr euch aus, wie lange doch? Eine halbe Ewigkeit! Wohlan, wohlauf nun, mein altes Herz! Wie lange erst darfst du nach solchem Schlaf - dich auswachen?
4:410
- wann, Brunnen der Ewigkeit! du heiterer schauerlicher Mittags-Abgrund! wann trinkst du meine Seele in dich zurueck?"
4:469
An dieser Stelle naemlich unterbrach der Wahrsager die Begruessung Zarathustra's und seiner Gaeste: er draengte sich vor, wie Einer, der keine Zeit zu verlieren hat, fasste die Hand Zarathustra's und rief: "Aber Zarathustra!
4:471
Ein Wort zur rechten Zeit: hast du mich nicht zum _Mahle_ eingeladen? Und hier sind viele, die lange Wege machten. Du willst uns doch nicht mit Reden abspeisen?
4:727
Amen! Und Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Staerke sei unserm Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit!
4:757
- Und du, sprach Zarathustra, du schlimmer alter Zauberer, was thatest du! Wer soll, in dieser freien Zeit, fuerderhin an dich glauben, wenn _du_ an solche Goetter-Eseleien glaubst?
4:763
Gott soll ewig sein, nach dem Zeugnisse der Froemmsten: wer so viel Zeit hat, laesst sich Zeit. So langsam und so dumm als moeglich: _damit_ kann ein Solcher es doch sehr weit bringen.
4:812
Wehe mir! Wo ist die Zeit hin? Sank ich nicht in tiefe Brunnen? Die Welt schlaeft -
4:830
- ein Duft und Geruch der Ewigkeit, ein rosenseliger, brauner Gold-Wein-Geruch von altem Gluecke,
4:852
Lust aber will nicht Erben, nicht Kinder, - Lust will sich selber, will Ewigkeit, will Wiederkunft, will Alles-sich-ewig-gleich.
4:856
Ein Tropfen Thau's? Ein Dunst und Duft der Ewigkeit? Hoert ihr's nicht? Riecht ihr's nicht? Eben ward meine Welt vollkommen, Mitternacht ist auch Mittag, -
4:861
- ihr Ewigen, liebt sie ewig und allezeit: und auch zum Weh sprecht ihr: vergeh, aber komm zurueck! Denn alle Lust will - Ewigkeit!
4:863
Alle Lust will aller Dinge Ewigkeit, will Honig, will Hefe, will trunkene Mitternacht, will Graeber, will Graeber-Thraenen-Trost, will vergueldetes Abendroth -
4:868
Denn alle Lust will sich selber, drum will sie auch Herzeleid! Oh Glueck, oh Schmerz! Oh brich, Herz! Ihr hoeheren Menschen, lernt es doch, Lust will Ewigkeit,
4:869
- Lust will _aller_ Dinge Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit!
4:872
Singt mir nun selber das Lied, dess Name ist "Noch ein Mal", dess Sinn ist "in alle Ewigkeit!", singt, ihr hoeheren Menschen, Zarathustra's Rundgesang!
4:873
Oh Mensch! Gieb Acht! Was spricht die tiefe Mitternacht? "Ich schlief, ich schlief -, Aus tiefem Traum bin ich erwacht: - Die Welt ist tief, Und tiefer als der Tag gedacht. Tief ist ihr Weh -, Lust - tiefer noch als Herzeleid: Weh spricht: Vergeh! Doch alle Lust will Ewigkeit will tiefe, tiefe Ewigkeit!"
4:888
Diess Alles dauerte eine lange Zeit, oder eine kurze Zeit: denn, recht gesprochen, giebt es fuer dergleichen Dinge auf Erden _keine_ Zeit -. Inzwischen aber waren die hoeheren Menschen in der Hoehle Zarathustra's wach geworden und ordneten sich mit einander zu einem Zuge an, dass sie Zarathustra entgegen giengen und ihm den Morgengruss boeten: denn sie hatten gefunden, als sie erwachten, dass er schon nicht mehr unter ihnen weilte. Als sie aber zur Thuer der Hoehle gelangten, und das Geraeusch ihrer Schritte ihnen voranlief, da stutzte der Loewe gewaltig, kehrte sich mit Einem Male von Zarathustra ab und sprang, wild bruellend, auf die Hoehle los; die hoeheren Menschen aber, als sie ihn bruellen hoerten, schrien alle auf, wie mit Einem Munde, und flohen zurueck und waren im Nu verschwunden.
4:895
"Mitleiden! Das Mitleiden mit dem hoeheren Menschen! schrie er auf, und sein Antlitz verwandelte sich in Erz. Wohlan! _Das_ - hatte seine Zeit!

Fequency of the words:
91 Zeit
2 Ueberzeit
39 Ewigkeit